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Schwimmende Ex-Folterkammer in Deutschland
SOURCE: Hamburger Illustrierte
www.hamburger-illustrierte.de/w2d/ hillu/inland/buergergesellschaft/
DATE: June 27, 2003
Chilenisches Schulschiff “Esmeralda“ in Bremerhaven und Lübeck
Schwimmende Ex-Folterkammer in Deutschland:
Tour der “Esmeralda“ ist Affront gegen Folteropfer
Aufenthalte in Bremerhaven und in Lübeck / Chilenische Marine leugnet
Foltervergangenheit trotz Beweisen / amnesty fordert juristische Aufarbeitung
und Entschädigung der Opfer / Protestaktionen vor Ort geplant
- Eine schwimmende ehemalige Folterkammer der chilenischen Militärdiktatur unter
General Pinochet wird im Rahmen einer Goodwill-Tour auch Deutschland anlaufen.
Das Segel-Schulschiff “Esmeralda“ wird voraussichtlich vom 17. bis 22. Juni in
Bremerhaven und vom 27. bis 30. Juni in Lübeck vor Anker gehen. Die “Esmeralda“
diente der chilenischen Marine nach dem Militärputsch vom 11. September 1973 als
schwimmendes Verhör- und Folterzentrum. Dies ist sowohl durch Zeugenaussagen als
auch durch die Untersuchungen der Nationalen Wahrheitskommission Chiles sowie
amnesty internationals zweifelsfrei belegt. Die chilenische Marine bestreitet
diese Tatsachen.
“Im Jahr des 30. Jahrestages des Putsches ist diese Reise ein besonderer Affront
gegen die überlebenden Folteropfer sowie die Angehörigen der zahlreichen
Menschen, die während der Zeit der Militärdiktatur in Chile - oft unter noch
ungeklärten Umständen - verschwanden, gefoltert und ermordet wurden“, sagte die
Chile-Expertin von amnesty international (ai), Ute Paul. Bislang gibt es keine
offizielle Entschuldigung und keine Entschädigung für die überlebenden Opfer.
Die Mehrzahl der Folterer der Militärdiktatur wurde bisher nicht belangt. “Die
chilenische Regierung muss anerkennen, dass Folter nicht verjährt und nicht
amnestierbar ist. Sie muss die Folterer vor Gericht stellen“, sagte die
ai-Chile-Expertin.
Die Menschenrechtsorganisation fordert die chilenische Regierung auf, die auf
dem Schiff begangenen Menschenrechtsverletzungen und Folterungen restlos
aufzuklären und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen. Weiter fordert ai
die Repräsentanten der Städte Bremerhaven und Lübeck auf, das Schulschiff nicht
zu besuchen. “Wenn sie doch hingehen, sollten sie dem Kapitän deutlich machen,
dass die Folterungen auf dem Schiff juristisch aufgearbeitet und überlebende
Folteropfer entschädigt werden müssen“, sagte Ute Paul.
In Europa soll die “Esmeralda“ in Frankreich, England, Deutschland und Spanien
vor Anker gehen. Proteste von Menschenrechtsorganisationen in Schweden und den
Niederlanden führten bereits dazu, dass die Esmeralda diese Länder nicht wie
ursprünglich vorgesehen anlaufen wird.
Die ai-Gruppen in Bremerhaven und Lübeck werden mit eigenen Aktionen gegen die
Besuchstour protestieren. So wollen ai-Mitglieder die “Esmeralda“ bereits in
Travemünde mit einem eigenem Segelschiff ’empfangen' und bis Lübeck begleiten.
Während des Aufenthalts im Lübecker Hafen soll eine historische Werftbarkasse
zum Protest vor der “Esmeralda“ auf und ab fahren.
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Berlin, 16. Juni 2003
amnesty.de.
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